Friedlich sitzen                                   

Im Rahmen der dOCUMENTA (13) stellte die Künstlergruppe AndAndAnd aus New York die folgenden Fragen: Wie könnte eine neue Kultur der Gemeingüter aussehen? Den heute vorherrschenden politischen und kulturellen Diskursen mangele es in hohem Maße an einer echten Einsatz für das Gemeingut. Dazu sei es nötig im Sinne des Beuysschen Skulpturbegriffs der "Sozialen Plastik" Gemeinschaftsprozesse zu initiieren und zu fragen, wie wir die Regime nicht nur im kulturpolitischen und sozialkünstlerischen Raum, sondern auch in uns selbst stürzen könnten.  
Artikel Bürgerpreis für den Stadtgarten Huttenplatz     
Aktion Lumpenball zur dOCUMENTA (13)

Was 2012 so hoffnungsvoll begann, unserer Initiative auch zwei große Preise einbrachte, scheiterte kläglich an eben den lokalen Machtstrukturen, die in Kassel schon so manches wohlklingende Projekt zum Schatten seiner verkündeten Ideale gemacht hatte. Involviert in diese Schattenwirtschaft waren Herr Heß aus dem Fachbereich Biologische Landwirtschaft der Universität Witzenhausen, der ohne Angabe von Gründen langjährige Initiativmitglieder ausschloss, der Ortsbeirat West, der auf die Bitte um Unterstützung mit Schweigen reagierte, und der Machtmissbrauch einzelner Mitglieder der Gruppe, die als Mitglieder der SPD im Hintergrund die Fäden zogen. Da jeder konstruktive Versuch die unsprüngliche Idee der Sozialen Plastik zu reinstallieren in 2014/ 2015 scheiterte, auch die Preisgelder auf dem Konto eines SPD-Mitglieds verblieben, entschied ich mich im März 2016 zu einem Performanceprojekt auf dem Huttenplatz in Kassel.

"Friedlich Sitzen in einem feindseligen Umfeld" befasst sich mit der Verwandlung von Missbrauchsstrukturen zwischen Menschen im öffentlichen Raum, und der Verantwortung, die in diesem Zusammenhang jedem Einzelnen zuwächst.

Während der Vegetationsperiode wird an den Samstagen von 11-14 Uhr das bewusste friedliche Sitzen auf dem öffentlichen Gelände des Huttenplatzes unterhalb der Stadthalle, welches jedermensch zugänglich ist, geübt. Jedermensch kann teilnehmen. Themen wie Ausgrenzung und Bewusstseinsfragen werden hier als ästhetisch-künstlerische Fragestellungen bewegt. Denn nur der Bewusstseinsprozess im Einzelnen kann neue gesellschaftliche Entwicklungen anstoßen. Willkommen sind Menschen, die mit der Idee der Gewaltfreiheit vertraut sind und sich mit eigenen Initiativen einbringen möchten. In 2017 wird sich die Performance verändern, weil ich in verschiedene Arbeitsgruppen auf der d14 eingebunden bin. "Gärtnern für Frieden und Teilhabe in Kassel" findet in unregelmäßigen Abständen an verschiedenen Wochentagen statt. Wer sich mit mir zum gemeinsamen Arbeiten verabreden möchte, kann sich einfach melden.

Commoning von der Künstlergruppe AndAndAnd auf der dOCUMENTA (13)


Hier werden Erfahrungen und Gedanken dokumentiert:



November 2017
In diesem Herbst habe ich immer mal wieder Unkraut gezogen und Samen von Bohnen und Mais für das nächste Jahr gesammelt. Ich bin immer während der Woche dort gewesen, weil ich auf die Negativität der alten Freind*innen an den Samstagen keine Lust hatte. Aber das Arbeiten an der Erde macht immer noch Spaß. Ich werde es auch im nächsten Jahr wieder fortsetzen, denn die Natur lehrt uns einen Frieden, welcher glücklich macht.

20.9. 2017 Es ist Erntezeit. Heute habe ich endlich Zeit gefunden auch etwas zu ernten. Oft kam ich in diesem Jahr nicht dazu, weil ich auf der doc14 zu viel zu tun hatte. Ein Kürbis, Lauch und Möhren bereichern die Suppe, die ich heute gekocht habe. Auch einige Kräuter habe ich mitgenommen. Ich freue mich total, dass so vieles von dem, was ich im Frühjahr gepflanzt oder zum Pflanzen hingestellt habe, jetzt Früchte trägt. Ob sich die anderen Gärtner*innen auch darüber freuen?

31.8.2017 In diesem Monat wächst das Unkraut besonders stark, weil es immer wieder stark regnet. Deshalb gibt es viel zu tun, damit das Unkraut sich nicht versamt. Auch faulen die Tomaten dadurch leider häufig. Schade. Der Regen verhilft aber den Pflanzen auf dem sonst im Sommer oft zu trockenem Platz zu gutem Wachstum. Jetzt wäre die Spätsommersaat dran, aber wenn ich sähe wird ja leider alles wieder zerstört, deshalb lasse ich das lieber. Und auf der documenta 14 führe ich als Choristin viele Menschen durch die Ausstellungshäuser. Es macht mir nach zweieinhalb Monaten noch immer Spaß, weil sich die Besucher*innen so freuen. Es wird Spätsommer, die Spinnweben fliegen.

3.8. 2017 Heute zum wiederholten Mal wieder Unkraut gejähtet. Sehr nettes Gespräch mit einem Camper aus Kassel, der mich ansprach. Dann kam Heidi mit Söhnen und Freunden. Ich winkte ihr freundlich zu. Sie kam dann alleine zu mir und sagte, dass ich hier nicht sein dürfe. Sie habe nichts gegen mich, aber die Uni habe mir das Hiersein verboten. Sie erntete wie ich einen schießenden Salat und eine etwas angefressene Tomate, denen die Nässe zugesetzt hatte. Sie ging dann nach oben weiter. Ich nahm mir noch ein paar Kräuter und verließ den Platz. Ich frage mich, was ihre Sätze eigentlich bedeuten. Sie übernimmt also nicht die Verantwortung für ihre Hetzerei gegen mich, sondern macht den Schirmherren, die Uni Witzenhausen, verantwortlich? Von wem sollte diese Uni denn die Nachricht bekommen haben, dass ich nicht dazugehören soll? Ich habe auf diesem Platz von Anfang an viel Arbeit eingesetzt und mir nie das Geringste zu Schulden kommen lassen. Wie kann sie so dreist behaupten, dass sie für diese künstlichen Aussschlüsse keine Verantwortung trage? Ob Heidi sich eines Tages doch einmal zu Menschlichkeit und den Grundwerten unserer Gesellschaft bewegen lassen wird? Ist Ignoranz wirklich eine Tugend?

12.7. 2017
Das Sommerfest auf dem Huttenplatz am 8.7. war schlecht besucht. In diesem Jahr hat sich auch der Ertrag der Anpflanzungen weiter verschlechtet. Der Grund liegt an fehlender Einhaltung von Fruchtfolgen, an fehlenden Kompostanlagen, für die wir eigentlich Komposttonnen angeschafft hatten, die jetzt in Christianes Privatkeller stehen. Die Erde auf dem Huttenplatz war von Anfang an schlecht. Wir hatten deshalb Hochbeete und viel neue Erde zusätzlich dazubringen müssen, um ertragreiche Ernten haben zu können. Aber diese Erde will gepflegt werden. Im Idealfall wird sie immer feiner und besser. Es ist so schade, dass all die gute Beratung, die wir durch die d13 in 2012 hatten, so im Sande verlaufen ist. So zerstört der Zwist, mit dem die lokale SPD hier unerbittlich das anfangs gute Arbeitsklima zerstört hat, nun auch langsam unseren Garten. Die Chancen dort eine tragfähige Stadtteilteilhabe zu verankern sind gering geworden. Würde sich auch nur einer der Verantwortlichen zum Positiven bewegen hätten wir vielleicht noch eine Chance.

01.6. 2017
Immer wieder Unkrautjähten während der Wochen. Und allerlei anderes. Gute Gespräche mit Passanten erfreuen das Herz. Besser nichts mehr sähen, wird doch nur ausgerissen. Meine Radieschen sind trotzdem zwischen dem Salat gekommen. Die gesunde Natur setzt sich immer wieder durch.

15.5.2017 Heute ist auch ein Foto von Heike Lange und Gabriele Stutzner auf dem Huttenplatz in der Tageszeitung abgebildet. Das Foto entstand auf dem Fest der Kasseler Gartenkultur
am letzten Wochenende. Untertitel: Funktionierende Gemeinschaft. Oh weia! HNA, SPD und Stadt wissen genau, dass hier keine funktionierene Gemeinschaft stattfindet, sondern absichtlich Gärtner*innen gemobbt und beleidigt werden. Dazu haben auch die beiden genannten Damen massiv beigetragen. Schade, dass die HNA auch hier wieder das Mobbing ihrer ehemaligen Mitarbeiterin Lucie Hausting unterstützt. Denn so kann eine Zeitung in dieser Region ja nur Leser*innen verlieren.

6.5.2017
Heute ab 10 Uhr bei schönstem Sonnenschein Unkraut aus den Hochbeeten entfernt. Ein Rotkehlchen besucht mich beim Arbeiten, ein friedliches Gefühl. Ab 11:30 kommen die anderen Gärtner*innen. Sie sitzen diskutierend im unteren Bereich des Gartens. Eine Freundin schaut vorbei. Wir haben ein schönes Gespräch über die kommende documenta. Da kommt Franz und denkt ich will "seine" Kartoffelpflanzen entfernen. Er weiß nicht, dass ich vor einiger Zeit auch welche dazugesetzt hatte. Ich erkläre ihm freundlich, dass ich selbstverständlich die gerade aufkeimenden Kartoffeln stehen lasse, auch den dazwischen wachsenden Portulak und ein paar Mohnblumen. Er droht mir mit der Polizei, wenn ich weiterarbeite. Ich sage ihm, dass ich der Polizei dann gerne mitteile, was ich auch ihm schon gesagt habe, dass ich mich nicht vom Platz mobben lasse. Meine Freundin verabschiedet sich nachdem er gegangen ist. Später kommen 6 weitere Gärtnerinnen. Eine blonde Frau unterstellt mir eine Persönlichkeitsstörung und behauptet, dass es einen Gerichtsbeschluss gäbe, dass ich nicht hier sein dürfe. Da beides nachweislich Unsinn ist, muss ich wirklich lachen. Lucie will mir verbieten auf dem Stuhl am Hochbeet zu sitzen. Ich teile allen noch einmal mit, dass ich hier weiter arbeiten werde, dass ich niemanden störe und das Recht habe alle Dinge zu benutzen wie jeder andere auch. Eine ältere Frau mit hartherzigem Blick nimmt meine Aussage mit ihrem Handy auf. Alles wirkt sehr lächerlich. In was haben diese Menschen sich hineingesteigert? Dann beginnen alle doch noch zu arbeiten. Es legt sich wieder eine friedliche Stimmung über den Platz. Im Schaffen ist eben Frieden. Auch Franz hat sich wieder beruhigt. Wir sprechen über das Hochbeet, welches ich gerade bearbeite. Ich arbeite noch eine Weile und genieße die Sonne. Ich bin stolz darauf, dass ich so ehrlich und friedlich bleiben kann angesichts des von der SPD organisierten Mobbings gegen meine Person. Man muss dem bösen Willen Gutes entgegensetzen. Das ist aber ohne tiefe innere Reife und inneren Frieden nicht möglich.
Diesen Frieden gilt es in sich selbst zu erarbeiten. Und Heureca, das ist mir gelungen! Der Sinn dieser Performance ist genau dies: Der institutionalisierten Gewalt der SPD in Kassel eine Grenze zu setzen. Dies ist aus meiner Sicht nur mit friedlichen Mitteln möglich.

30.4.2017 "Gib niemals auf!" sagt Alfredo Jaar im Parlament der Körper. Wir müssen neue Formen des Widerstandes gegen antidemokratische und faschistische, besonders aber gegen institutionalisierte Gewalt finden. Das Durchtragen, auch wenn es bewusst in Kauf genommenes Leid bedeutet, hat mich die Performance-Künstlerin Marina Abramovic schon in den 1980er Jahren gelehrt. Ein Hoch auf diese nun schon 70jährige Frau! Ihr Ansatz kann die Welt verändern, wenn wir ihn auf reale Situationen im eigenen direkten Lebensumfeld übertragen. Dazu ist Willenkraft, unbedingtes Durchhaltevermögen, eine wache Auffassungsgabe und eine grundlegende Verantwortung für Commoning im konkreten Stadtraum unabdinglich.

29.4.2017
Gestern sprach Stavros Stavrides im Rahmen des Documentaprojekts Parlament der Körper über Commoning. Er meint, dass man sich den öffentlichen Raum für Gemeinschaftsprojekte so aneignen müsse, dass man den Mächtigen die Herrschaft entzieht. Commoning kann ohne die Auflösung von Hierarchien nicht gelingen. Wenn die heimlichen und offenen Machtstrukturen der Stadt die Verfügungsgewalt behalten, würden solche Projekte scheitern. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Immerhin zeigt unser Projekt, was passiert, wenn die Mitglieder der herrschenden Partei im Hintergrund entscheiden, welche Mitglieder des Projekts bleiben dürfen und wer ohne Angabe von Gründen hinausgemobbt werden darf. Gleichzeitig handelt es sich beim Huttenplatz aber um öffentlichen Raum, für den auch bestimmte Gesetze gelten. Man darf dort z. B. nicht zelten oder Tiere halten. Und jedem Menschen ist es erlaubt den Platz zu betreten. Stravides und andere sprachen ausführlich darüber, wie sich in den westlichen Gesellschaften immer mehr perfide Machtstrukturen offen gegen die Bürger richten. Sie nennen das Neofaschismus, der sich ausbreitet, weil die Machtpolitik immer unverhohlener ihre Vormacht missbraucht. Ich bin sehr beeindruckt von der Klarheit, mit der die Vortragenden die Strukturen benennen. Eine Politik der Teilens und der Teilhabe wird in Kassel nur möglich sein, wenn die Vormachtstellung der SPD gebrochen wird. Dies würde aber voraussetzen, dass eine Vielzahl von mündigen Bürgern an einer Redemokratisierung interessiert ist. Das ist aber bisher nicht der Fall. Sind wir längst Teil einer unaufhaltsamen Entwicklung in den faschistischen Abgrund? So sieht es jedenfalls 
Stavros Stavrides.

19.4.2017
Ich jähte jetzt nur noch Unkraut erstmal, denn m
eine Radieschensaat hat wieder jemand entfernt. Ich werde viel Geduld haben müssen bis die Perfidität solcher Handlungen aufhört. Wir alle werden noch viel Geduld haben müssen bis in Deutschland und Kassel die Würde des Menschseins wieder aufscheinen darf.

12.4.2017 Wie schon einige Male habe ich heute mittags 3 Stunden Unkraut auf dem Huttenplatz gejätet. Lucie fotografierte mich ausgiebig dabei. Ich winkte ihr zu. Denn, so sagt der Documenta14-Künstler Abounaddara: "Würde hat man noch nie fotografiert!" Dann kam sie mit zwei anderen Frauen und wollte mir die Arbeit verbieten. Sie behauptete, dass ich ausgeschlossen sei, weil ich bei einem Treffen nicht dabei war. Dazu war ich aber nicht eingeladen gewesen. Interessant, das da jetzt so ein läpischer Grund auftaucht. Auch verbreitete sie wieder Lügen über die Situation und verdreht mit Absicht die Abfolge der Ereignisse. Sie meinte es müsse hier nicht gejähtet werden. Ihr Mobbing wird immer dreister, weil sie dafür in ihrer Partei Rückhalt hat. Schade! Es könnte so friedlich sein auf dem Huttenplatz. Die Vögel singen und die Pflanzen glänzen im frischen Frühlingsgrün. Die Kräuter haben jedenfalls jetzt wieder Platz. Nächste Woche geht es weiter.

23.1.2017
Am 12.1.2017 erhielt ich nun nach nochmaliger Nachfrage doch noch eine Antwort: Herr Oliver Fromm droht mir als Mitbürgerin des Stadtteils Kassel-West an mich wegen Hausfriedensbruch anzuklagen falls ich auf dem Huttenplatz ernte, sähe oder pflanze. Weil er wiederrum, wie bisher auch in 2015 und 2016 keine Gründe genannt hat, warum ich ausgeschlossen bin, obwohl ich sehr viel für den Platz getan habe und auch die Preisgelder mitgewonnen habe, bekenne ich jetzt hier öffentlich, dass ich im letzten Jahr dort Kürbisse gesäht, Kohlrabipflanzen zur Pflanzung gebracht habe, die auch gerne von anderen eingepflanzt wurden, auch an der ein oder anderen Stelle mal ein Unkraut gezupft habe. 
So Herr Fromm, jetzt MÜSSEN Sie mich verklagen! Mal sehn, was die Gerichte dazu sagen. Ihre perverse Art kennt wirklich nicht die geringste Grenze. Ich werde Herrn Dr. Hoppe als Rechtsanwalt fragen. Der kennt die Böswilligkeit der SPD-Machenschaften, die jetzt sogar die Uni erreicht haben mit allen Interna. Denn deshalb ist er vor Jahren als Vorsitzender der SPD-Fraktion aus der Partei ausgetreten. 

31.12.2016 Im Abstand von mehreren Wochen habe ich noch einmal Herrn Fromm angeschrieben und Vorschläge zur Lösung des Problems gemacht. Aber der Herr hat nicht geantwortet, ein sicheres Zeichen dafür, dass er im Unrecht ist, dass aber nicht zugeben will. Das Fazit in 2016: Der böse Wille der SPD-Mächtigen in Kommunion mit den Grünen ist flächendeckend. Eine Klärung wird weder gewollt noch ist sie je angestrebt worden. Und die CDU schaut zu. Und diese Parteien sollen wir wählen? Wir wissen für Kassel jetzt genau: Demokratie und Bürgerbeteiligung sind nicht gewollt. Sie sind nur Lippenbekenntnisse. Der Einsatz für den Bürger ist gespielt. Das Projekt Huttenplatz ist menschlich daran zerbrochen. Entscheidungsträger haben es zerstört und führen es jetzt als SPD-Besitz so weiter, dass über die Presse "Gemeinschaft" verkauft wird. Leider alles heiße Luft. Es hätte wirklich gut werden können ohne diese Missbrauchsstrukturen der Stadt.
 

29.11.2016
So hab ich das noch gar nicht gesehen: 
"Alle Kunstwerke haben nur geschafft, daß es nicht total bestialisch wird, nichts anderes. Daß diese große Bestialität, die in uns allen ist, aufgehalten wird, daß ein Riß im Bestiarium verstopft wird. Überall bricht es im nächsten Moment wieder auf und wird wieder verstopft. Das ist die Kultur, nichts anderes. Nie wird es was anderes sein, nie. Und das ist aber groß genug." (Peter Handke) Gefunden von Rüdiger Sünner. Muss ich jetzt bestialisch werden? Denn das ist ja groß nach Handke. Ich bin einfach zu klein.

26.11.2016
Die 89jähige Gertrude aus Wien spricht davon, dass unsere Gesellschaft wieder das Niedrigste im Menschen fördert und hervorbringt statt das Anständige. Hass und Lächelichmachen, Lüge und Gewalt wurden, so sagt sie, auch 1933 angewendet, um Menschen gegeneinander aufzubringen. https://www.facebook.com/alexandervanderbellen/videos/1366125040099201/  Wir sind in Kassel und in weiten Teilen der Gesellschaft wieder auf demselben Weg. Ich habe es viele Jahre nicht glauben wollen, aber es ist deutlich: Das große Schweigen zu den wahren Gründen unserer Entwicklung Richtung Hass und Gewalt geht von den führenden Politikern aus, die eine freie kulturelle und politische Entwicklung der Gesellschaft nicht mehr zulassen. In Kassel sind das vor allem die Angehörigen der SPD und deren Vasallen, den Grünen. Durch bewusste Selektion wird z.B. gerade wieder den Kopiloten Geld zugeschanzt, nicht weil sie gut sind, sondern weil sie zur SPD dazugehören. Eine Gesellschaft, die
das Allgemeinwohl aller ihrer Mitglieder nicht mehr im Blick hat, sondern große Teile der Bevölkerung schweigend ausgrenzt, fördert die Entwicklung von AFD und Co. Auf mich persönlich kommt es hier gar nicht an. Ich habe und hatte noch nie eine entfernteste Chance dieses Hassmauer der SPD in Kassel zu durchbrechen. Ich wollte nur nicht länger schweigend zusehen, wie die Lokalmächtigen uns tyranisieren und belügen. Ich erwarte auch nicht mehr, dass sich jemals etwas an den Tatbeständen ändern lässt. Dafür ist der Herrscherwille von Eichel und Co viel zu gewaltvoll. Ich möchte nur nicht mitschuldig werden an dem, was in den nächsten Jahren in Kassel und Deutschland unweigerlich passieren wird, an der vollständigen Zerstörung einer Restdemokratie, die von den Verantwortlichen schon lange nicht mehr vertreten wird.
Für das sogenannte Gemeinschaftsprojekt Huttenplatz ist deutlich, dass alle daran Beteiligten unter der politischen Fahne zu jeder Gemeinheit, Ausgrenzung und jedem bösen Willen fähig sind, um die zu eliminieren, die nicht der Riege der Mächtigen angehören. Auf dieser völlig unbedeutenden kleinsten Projektebene, die über keinerlei politische Macht verfügt, mit solcher Missachtung der Menschlichkeit vorzugehen, zeugt davon, mit welcher Geisteshaltung wir es zu tun haben. Jeder erwachsene Mensch, der Menschenwürde und Grundgesetz kennt, müsste aufschreien und sich für eine Änderung der Verhältnisse im Kleinen einsetzten, damit auch in der großen Politik sich noch einmal etwas zum Besseren wenden kann. Aber erstaunlicher Weise schweigen die Meisten, die dies hier lesen. Sie schweigen aus Bequemlichkeit, Feigheit, aus Böswilligkeit oder Angst selbst Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Genau wie damals, als Gertrude in Wien die Demütigung durch die Nazis erlebte. Auch damals haben weite Teile der Bevölkerung zugeschaut und mitgemacht. Erschreckenderweise hat sich an dieser Haltung nichts geändert.

19.11.2016 Herr Hesse hat am 29.10.2016 schließlich doch geantwortet nachdem ich noch einmal das Dekanat der Uni Witzenhausen angeschrieben hatte. Von hier erhielt ich keine Antwort. Wir wissen jetzt also, dass auch das Dekanat die Machenschaften der Herren Hess und Hesse deckt. Der Brief, den ich am 29.10. erhielt, besteht weiterhin auf meiner Ausgrenzung ohne mir mitzuteilen warum. Die Ausgrenzung meiner Person durch das SPD-Netzwerk ist flächendeckend. Sogar Herr Oliver Fromm beteiligt sich daran indem er mit unterschreibt ohne die Sachlage zu prüfen.
Ich habe am 15. Nov. noch einmal an die Herren Fromm und Hesse geschrieben. Wir können aber davon ausgehen, dass auch von ihnen die Verleumdungen der Lucie Hausting, geschiedene Eichel ohne Prüfung der Sachlage unterstützt werden. Längst haben die Beteiligten jede Beziehung zum Grundgesetz, zu Menschenwürde und Bürgergemeinschaft verloren. Die Macht der Multimillionäre Eichel und Co. muss so groß sein, dass auch Posten an der Uni gefährdet sind, wenn einer der Beteiligten für Fairness und Menschlichkeit eintreten würde. Denn wer das tut, wird ebenfalls ausgegrenzt. Es sind die Mächtigen, die durch ihren Machtmissbrauch unsere Gesellschaft zerstören und letztlich die Wählerschaft zwingen die zu wählen, die ihnen mit rechten Parolen echte Veränderung versprechen. Denn von allen anderen wissen wir ja schon, dass sie unser Vertrauen immer wieder missbraucht haben.
Ich schreibe dies alles nur auf, um für später zu dokumentieren, was zur Zerstörung von Frieden und gesundem gesellschaftlichen Miteinander geführt hat. Denn dann werden sie uns sagen wollen, wer die schwarzen Schafe sind, um von sich selbst und ihrer persönlichen Schuld abzulenken.

21.10.2016  In dieser Woche hat mich wieder einmal der Inhaber eines Geschäftes im Vorderen Westen verteidigen müssen, weil eine der neu hinzugekommenen Gärtner*innen, am Ladentisch gegen mich gehetzt hat ohne je eine schlechte Erfahrung mit mir gemacht zu haben. Die Hatz hat also nicht aufgehört. Fürs Sitzen am Huttenplatz ist es jetzt zu naß und zu kalt. Heute bin ich, wie im letzten Jahr, beim Apfelsaftpressen im Forstfeldgarten. Im letzten Jahr hatten wir dort bei wunderbarem Wetter stundenlang Äpfel gewaschen, frisch ausgepresst und in 5-Liter-Container verfüllt. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

15.10.2016 In der letzten Woche hatte ich auf Facebook ein Streitgespräch mit einer Frau Kalveram und Kevin von den Jusos. Es ging um die Schmierereien, die in der SPD-Filiale in Kassel angebracht wurden. Ich hatte Kevin Glocks Empörung zugestimmt und mich ebenfalls kritisch zu dem Vorfall geäußert. Ich hatte aber auch darauf hingewiesen, dass die primitiven Schmierereien eine Reaktion darauf sein könnten, dass diese Menschen in unserer Gesellschaft ausgegrenzt und ohne Chancen sind, ihrem Protest anders nicht mehr Ausdruck verleihen können. Und ich hatte auf das Projekt Huttenplatz und die Initiative Stolpersteine verwiesen. Beide Projekte wurden von der SPD in Kassel annektiert, Bürger wurden ausgegrenzt und diffamiert. Dazu gehörte auch ich. Das erzeugt Hass, auch bei mir, den ich als ausgegrenzter Mensch nur bewältigen kann, wenn ich ein sehr hohes Niveau an Selbstreflektion und bewusst gesetzten Willen zum friedlichen Miteinander habe. Denn es ist eine Tatsache: Die SPD arbeitet seit vielen Jahren systematisch daran jedes Projekt, jede Initiative zu besetzen, jedes Bündnis, sei es gegen TTIP oder gegen rechts. Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft ist in Kassel nur noch möglich, wenn man dieser Partei oder ihrem Vasalen, angehört, und wenn man kuscht, sich jede Verletzung der eigenen Grundrechte gefallen lässt. So spalten die Mächtigen unsere Gesellschaft, in die Täterseite, die andere zum Schweigen zwingt und so Vorteile genießt; und die andere Seite, die Ausgegrenzten, die sich das perverse Spiel gefallen lassen müssen, zu Querulanten abgestempelt und degradiert werden, mit fortgesetzem Schweigen auf ganz normale Anfragen dazu gebracht werden sollen sich unmöglich oder strafbar zu machen. Eine solche Gesellschaftsstruktur erzeugt Hass und Gewalt. Sie erzeugt den Rechtsruck, der überall in Deutschland und Europa zu sehen ist. Dafür verantwortlich sind die, die zu diesem Verhalten auch in Kassel schweigen oder es initiieren. Sie sitzen in den Machtpositionen in Stadt und Land. Und sie wollen nur das Eine: Ihre Macht weiter ausdehnen, dies zum Schaden der Bürger*innen, die sich für Demokratie und Teilhabe einsetzen.

Der Post auf der Facebookseite mit dem Streitgespräch wurde gestern von der Seite des Unterbezirks der SPD Kassel gelöscht. Denn meine Sachaussagen zum Verhalten des stellvertretenden Ortsvorstehers Mario Lang, von Lucie H., Christiane Z. und anderen waren zu erdrückend, und die Diffamierungen durch SPD-Mitglieder gegen mich so feindselig, dass diese Partei wirklich Schaden nimmt. Zu einem ehrlichen Dialog war keiner der Beteiligten bereit.

8.10.2016 Heute bin ich leider beruflich unterwegs. Von Herrn Hesse von der Uni Witzenhausen immer noch keine Antwort. Wird wohl auch keine kommen, denn man wird das Projekt Huttenplatz lieber schließen als es für das ursprünglich von den Documenta-Künstlern initiierten Gemeinwohl und die Entwicklung von Gemeinschaftsstrukturen zu öffnen. Wenn die SPD ihre Ausschlusspraktiken nicht durchsetzen kann, wird sie jedes Projekt kippen. Wir lernen: Eine Entwicklung der Gesellschaft zum Inhumanen, welche durch die politischen Gremien Gegensteuerung erfahren sollte, wird durch eine systematische Politik der Veternwirtschaft und der Ausgrenzung von nicht der Partei angehörenden Ehrenamtlichen unterstützt. Eine geistige Elite, die diese Entwicklung verhindern könnte und unsere Demokratie verteidigen müsste, haben wir nicht mehr.


1.10.2016 Für heute die Worte des Dalai Lama: "Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keinen Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben, wenn man einfach nur versucht ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln. Das genügt." Wenn auch nur einer dieser Leute auf dem Huttenplatz in diesem Sinne ein menschliches Wesen wäre, dann könnten wir endlich Frieden schließen.
Als ich um 10:30 zum Huttenplatz kam war noch niemand da. Es sah nach Regen aus, alle Pflanzen waren durch den Regen schön gegossen. Nachdem ich ein paar Fotos gemacht hatte, setzte ich mich auf die Bank am Tisch und genoss den Platz. Nach und nach kamen doch 3 Gärtner*innen, die auf meinen Gruß distanziert antworteten. Als es anfing heftiger zu regnen, ging ich über den Platz nach oben, hielt einen kurzen Plausch mit Franz über den Dung, den er ins Hochbeet einarbeitete, denn ich hatte ihm in der Vergangenheit mal gezeigt, wie ich den unter den Kompost mische, um die Erde fruchtbarer zu machen. Auch mit Sirius gab es einen kurzen Austausch von Worten.
Am 23.9.2016 hatte ich Herrn H. von der Uni Witzenhausen darüber informiert, dass ich mich an sein schriftliches Verbot auf dem Huttenplatz weiterhin zu sähen, zu jähten und zu ernten nicht mehr halten werde, weil ich bis zum heutigen Tag von niemanden einen Grund dafür erfahren habe. Ich werde also jetzt von den Kräutern und dem Mangold wieder ernten. Denn alle alten und neuen Gärtner*innen nutzen die Hochbeete und Anpflanzungen, die ich wesentlich mit angelegt habe. Von Herrn R.H. erhielt ich keine Antwort auf meine Ankündigung. Kurze Zeit später fanden Freunde von mir Sender in den Hochbeeten. Dies im öffentlichen Raum, unglaublich. Ich hab auch selber so ein leise piependes Ding gesehen, es aber nicht angefasst. Nur ein "Scherz"?

26.9.2016 Heute stand der Bericht über die Preisverleihung an den Whistleblower Edward Snowden in der Tageszeitung. Er hat "das Glas der Vernunft" in Kassel verliehen bekommen, weil er die weitreichenden anlasslosen Überwachungsstrategien der USA aufgedeckt hat. In einer Life-Schaltung sagte er: "Wenn wir unsere Werte über Bord werfen, dann sind wir keine Bürger mehr, sondern Untertanen." Dass nun genau die Menschen, die das parteigeleitete Untertanensystem in Kassel seit Jahrzehnten systematisch ausbauen, diesen Preis verleihen, ist eines dieser unten genannten Schrecknisse, mit denen uns die lokale SPD an der Nase herum führt. Denn alle genannten Kasseler Zuständigen gehören der reichen Finanzschickeria der SPD an, die auch die Spaltung unseres Huttenplatzprojektes mitinszeniert hat. Sie profilieren sich auf diese Weise als Mithelden. Sollte man deshalb die Preisverleihung ablehnen? Nein, denn sie prämieren den Richtigen, sind aber selbst die Mitschädiger unserer Lokalgesellschaft. Auch ihnen werden in der Folge Preise vergeben, dies allerdings dann völlig zu Unrecht.

24.9.2016
Heute war ich um kurz nach 10 Uhr auf dem Huttenplatz. Es  war so friedlich dort, noch niemand da. Ich setzte mich auf einen Stuhl unter die große Birke, nahm mit Absicht keinen Platz an dem großen Tisch dort ein. Kurz vor 11 Uhr kamen Heidis Schwester und Gabi, grüßten unwillig, und trugen Bank und Tisch in den untersten Teil des Platzes. Bald darauf kam ein freundlicher junger Mann, um sich mit mir über ethische und christliche Werte zu unterhalten. Ich musste fast ein wenig lachen, denn seine Ernsthaftigkeit, mit der er für Frieden und innere Werte eintrat, war so überzeugend, dass wir wie ein Uboot zu sein schienen, auf diesem Platz, der sich jetzt mit den unversöhnlichen Feinden der Menschlichkeit und Menschenwürde füllte. Betont freudig gingen sie miteinander um, um zu zeigen wie sehr sie Gute sind, und um zu demonstrieren wie sehr sie mich ablehnen, begegneten sie mir mit hartherzigen Blicken. Das berührende Gespräch mit dem jungen Rechtsanwalt dauerte fast eine Stunde. Dann trennten wir uns fast widerwillig, weil die Freude und die Liebe im gesunden Menschen eben immer nach Dauer streben. Ich las eine Weile in meinem neuen Fachbuch und genoss die wunderbare Spätsommerwärme, die sich auf dem Platz ausbreitete. Mich wundert immer noch, wie Menschen sich so viel Feindschaft antun, dass sie jemanden ausschließen, nur weil er oder sie nicht ihrer Partei angehört. Vielleicht brauchen sie in ihrer Einfalt einfach Feinde?  Die Sonne umfängt uns alle ohne Unterschied. 
Mittags aß ich alleine mein Mittagessen unter der Birke während die Gärtner*innen unten tafelten. Dass sie sich nicht wohl fühlten, war zu spüren. Die Kinder schauten sich ständig nach mir um. Später kam Bernd noch auf ein längeres Gespräch vorbei. Wir sprachen ausfühlich über Menschenrechte und den Umgang mit institutionalisierter Gewalt, die sich auch hier auf dem Huttenplatz ausgebreitet hat. Für jeden Soziologen ist diese hier von SPD-Mitgliedern geschaffene Sündenbockmentalität ein gutes Beispiel, wie Menschen ihrem Bedürfnis nach Böswilligkeit und Ausgrenzung Raum geben können, wenn die Machtstrukturen einer Stadt dies erlauben. Gemeinschaft und Teilhabe werden dann zur Farce, werden aber weiterhin lautstark nach außen hin propagiert. Diese Art von Spaltungen schleichen sich zunehmend in unsere gesellschaftlichen Strukturen ein. Sie führen am Ende zur Auflösung innerer Werte, zum Verrat der Demokratie und zur Verschlechterung der Lebensqualität aller Beteiligten. Denn vor allem die Täter und ignoranten Mitläufer werden im Alter von den Strukturen eingeholt, die sie geschaffen haben. Die Tiefenebene der Psyche erträgt die Spaltung auf Dauer einfach nicht. Deshalb können sich die Opfer dieser Strukturen ruhig zurücklehnen, wenn sie alles für das gemeinsame Gute getan haben. Sie werden daran wachsen.
Gegen 14 Uhr wanderte ich mit Bernd langsam den Garten hinauf. Ich ließ ihn vom Taigemüse ein Blättchen kosten, und probierte etwas von dem Bergtee, welchen ich selbst aus Samen gezogen und in unsere Kräuterbeete eingesetzt hatte. Von der Treppe oberhalb des Gartens konnten wir dann sehen, dass Christiane sofort nachsah, was ich dort gemacht hatte. Voller bösem Willen gönnt sie mir nicht, was sie jedem neuen Besucher zugestehen würde: Die kleine Kostprobe. Denn das Stadtgartenprojekt war von den Documentakünstlern von Beginn an auf Teilen und Gemeinschaftlichkeit in der Stadtgesellschaft angelegt.

Einige Tage später:
Heute lief ich nur mal über den Huttenplatz. Dabei sah ich wie Marika sich einen Kürbis und anderes Gemüse nahm. Als sie mich sah, entfernte sie sich sofort und schoss dann aus einer kleinen Entfernung Fotos von mir. Ich nahm provokativ ein Tai-Gemüseblatt in die Hand und biss davon ab. Diese kleine Provokation musste ich mir einfach erlauben. Schließlich gärtnern die Leute auf den von mir angelegten Hochbeeten und haben noch nicht einmal soviel Anstand mir gegenüber fair zu sein. Naja, ist halt Kasseler SPD. Die meinen sie dürfen das. Die Fotos schickt sie dann übrigens an die anderen Gärtner*innen, um zu "beweisen" dass ich das geerntet habe und wie verabscheuungswürdig ich sei. Ich lache ihr freudlich zu. Es lohnt sich ja nicht auf dieser primitiven Ebene zu kommunizieren.

17.9.2016
Heute hatte ich ab 11 Uhr Offenes Atelier in der Dörnbergstr. 2 und konnte deshalb keine Sitzung auf dem Huttenplatz abhalten. Da gleichzeitig Kunst- und Kulturrundgang im Vorderen Westen war, und ich erstmals seit über 10 Jahren mit meinem Offenen Atelier als Kurzmeldung in der HNA gestanden hatte und am Samstag auch in deren Liveticker erscheinen durfte, kamen am Samstag über 100 Menschen, und am Sonntag ab 13 Uhr noch einmal ca. 60. Immer wieder wurde ich gefragt, warum ich mit meinem umfangreichen Werk nicht beim Kunst- und Kulturrundgang dabei bin, obwohl ich mein Atelier hier habe. Ich muss dann immer mitteilen, dass diese Ausgrenzung von Wolfgang K. persönlich vollzogen wurde und vermutlich zu der Ausgrenzungskampagne der SPD gehört, die mich seit Jahren trifft, und die auch zu meinem bisher noch immer unbegründeten Ausschluss aus dem Huttenplatzprojekt geführt hat. Die Kulturpolitik der Stadt ist sich da einig: Man will die gleichberechtigte Beteiligung aller Künstler*innen an den niederschwelligen Rundgängen nicht. In den von der CDU regierten Ländern ist das anders. Da dürfen studierte und nicht studierte Künstler ausstellen, wenn sie ihr Atelier im Stadtgebiet haben und Mitglied in der Künstlersozialkasse sind. Als ich dies vor Jahren an der OB Bertram Hilgen schrieb und mich für die Teilhabe vieler anderer Künstler*innen einsetzte, bekam ich keine Antwort.

10.9.2016 Heute gibts eine traurige Nachricht auf dem Huttenplatz: Der Mann von Heidis Schwester ist gestorben. Er war oft hier und viele kannten ihn. Die Familie frühstückt zusammen am großen Tisch. Ich kondoliere und setze mich dann abseits unter die Birke in den Schatten, denn es ist sehr heiß. Nach und nach kommen Pablo, Franz und andere zum Gärtnern. Heidi schenkt mir zwei große Spinatblätter und verabschiedet sich auch. Insgesamt hat sich die Lage auf dem Platz etwas entspannt, man grüßt sich wieder, nur wenige wie Christiane und Franz schweigen noch verstockt. Zur Mittagspause treffen sie sich in meiner Nähe am großen Tisch. Es findet kein Austausch statt. Ich lese und schaue freundlich in das grüne Zelt aus Hopfen- und Weinranken. Der Hopfen hat schon seine typischen Fruchtstände angesetzt.

3.9.2016
Heute ist dieser Text die Grundlage zum Nachdenken:

Für den Triumpf des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun, oder wenn sie nicht nachfragen, wenn Schlimmes unterstellt wird. Der Weg in faschistoide und unmenschliche Verhaltensweisen funktioniert nur, wenn viele dazu schweigen und diese dadurch unterstützen.
Heute um 10 Uhr treffe ich Lucie und ihre SPD-Freundin als sie am großen Tisch Plakate für den Film von Ines mit dem Termin für den Film "Wenn ein Garten wächst" bekleben. Ich setze mich freundlich dazu und falte meine mitgebrachten Flyer für Ines. Es war eine äußerlich freundliche Stimmung. Das Wetter so schön! Nach und nach kommen Gärtner*innen dazu, manche helfen und manche sitzen in der Sonne. Da ich neben Lucie sitze und ich alle auch grüße, die sie grüßen, war kein Raum für Spaltungen. So verführe ich sie zur Menschenwürde.  Von einigen der Neuen werde ich auch um Rat gefragt. Später kommen Fjodor, sein Bruder und Nena dazu. Wir führen anregende Diskussionen.  Die Gärtner*innen sammeln sich im unteren Teil des Gartens zur Mittagspause, nur die Brüder und Nena bleiben mit mir in der Mitte des Gartens am großen Tisch sitzen. Nena teilt ihre Brötchen vom Denns mit uns. Hier die friedliche Stimmung, unten ein Grummeln, weil man sich wieder abspalten und Feindseligkeit aufrecht erhalten muss. Um 14 Uhr haben schon viele den Platz verlassen. Auch ich gehe nach Hause.
Später treffen ich Christiane mit zwei anderen von den Gärtner*innen beim Documenta-Forum, wo sie sich in einer Ecke kleinhalten und an keinem Austausch mit den Anwesenden beteiligen. Ich hole Reha Thönges aus der Werkstatt ab. Wir sprechen über den tollen Artikel von Aristide Antonas im "South as a State of Mind"  für die documenta 14. Sie als Griechin hat hier den direkten Bezug und tritt - mir aus dem Herzen gesprochen - so wunderbar für die "Soziale Plastik" von Beuys ein. An diesem Abend zeigt sich unter den Anwesenden sehr deutlich, wer zu echtem Austausch über die documenta fähig ist, und wer nur dort ist, um seine kleinliche persönliche Macht zu präsentieren. Wie klein die meisten Kasseler  Künstler*innen doch sind! Spannender Austausch über Kunst ist eben nur möglich, wenn die Grundlage menschlicher Kommunikation vorhanden ist: Ein grundsätzliches, ethisch fundiertes Wohlwollen. Dieses  ist in Kassel systematisch über viele Jahre durch die Machtinteressen der herrschenden Partei zerstört worden. Die Namen der Verursacher sind bekannt, aber alle schweigen oder werden zum Schweigen gebracht. Eine Soziale Plastik, wie sie auch am Huttenplatz hätte entstehen können, ist so nicht möglich.


27.8.2016 Ich sitze ab 10 Uhr im Schatten unter der Birke in der Mitte des Platzes auf einem der dort stehenden Stühle, die wir für den Huttenplatz geschenkt bekommen haben. Es weht einleichter Wind. Elli pflückt Bohnen. Als ein junger Mann dazukommt, sagt Heidi: "Das ist aber schön, dass du kommst." Vorbeigehende Kinder und junge Frauen sprechen mich an. Wir spechen über die Hitze. Ein Kind fragt: "Ist das dein Garten?" Ich sage: "Es ist auch dein Garten. Du kannst hier gerne spazieren gehen. Nur wenn du etwas ernten möchtest, dann musst du hier mithelfen." Der kleine Junge erzählt von seinem eigenen Garten zu Hause. Eine der neuen GärtnerInnen rümpft unfreundlich die Nase als sich unsere Blicke treffen und trägt einen Stuhl aus meiner Nähe weg. Sie trägt einen gelbgrünen Hut zum farbig passenden T-Shirt. Franz gießt die Blumen, denn die Hitze hat die Erde trocken gemacht. Die Kürbisse sind reif. Es ist so wunderbares Wetter! Ein vorbeigehendes Paar freut sich über den Garten. Die sechs GärtnerInnen halten ihre Mittagspause unter der oberen Birke im Schatten. Sie schweigen, einige nicken mir zu. Dann dringt eigenartig künstliches Lachen herüber. Ich sitze friedlich noch immer am selben Platz als die GärtnerInnen nach Hause gehen. Die Natur schweigt in der Hitze und freut sich über meinen Frieden. Ich freue mich mit.

20.8.2016 Die Unterdrückung unbequemer Meinungen und der Versuch, Kritik einfach zu ignorieren, sind nichts als ein Zeichen für persönliche, oft infantile Rückständigkeit, eine unangemessene Verbeugung vor unkontrollierter Macht und Ungerechtigkeit durch die herrschende Partei. Die Förderung des Selbstbewusstseins von Künstler*innen, das Aufgreifen ihres gesellschaftskritischen Potentials und die Fähigkeit zu freier Kreativität, dienen der Entwicklung von ästhetischer Urteilskraft, die unsere Gesellschaft so dringen braucht. Die Aufgabe von Stadt, Land und Politik wäre es diese Ansätze zu unterstützen anstatt sie zu zerstören. Künstler*innen stellen Fragen, die die Untersuchung der Form umwandelt in die Untersuchung der Nöte unseres Daseins und unserer spirituellen Werte. Dann erst ist Kunst aufgeklärt. In Machtmissbrauchssituationen werden die Missbraucher zu Schöpfern und Opfern ihrer eigenen Idiotie und Niedertracht. Zwar schaden sie zunächsten den sogenannten Anderen, weil ihnen Gewissen und Anstand fehlen, aber sie demütigen zugleich sich selbst, wenn sie uns zeigen wie sie letztlich zu gescheiterten Existenzen werden.
Der Huttenplatz war während der dOKUMENTA (13) zu einem Ort des kulturellen Austauschs geworden, an dem Kunstaktionen und Gartenarbeit sich zur sozialen Plastik „aufschaukeln“ konnten. Im Ausgeliefertsein an den Missbrauchsumpf politischer Ränkespiele verkam das Projekt zur Farce. Die Ernteerträge gingen zurück, Kunstprojekte wurden verboten, das Preisgeld versickerte mit Wissen der Politiker in privaten Kanälen. Stolz wurde nach Außen hin „Gemeinschaft“ zur Schau getragen. Das alles ist nur möglich, weil Viele zu diesen Vorgängen schweigen und dadurch zu Mittätern werden. Das hatten wir alles schon mal in Deutschland .....
   
13.8.2016 Heidi bittet mich um 10:43 meinen Sitzplatz auf dem Huttenplatz zu verlassen. Sie betont ausdrücklich ihre Bitte. Ich sage ihr, dass ich sie ebenfalls ausdrücklich bitte die Feindseligkeit mir gegenüber zu beenden und wieder zusammen auf dem Huttenplatz zu arbeiten. Da winkt sie überheblich ab und geht. Sie will ihre Feindschaft aufrecht erhalten. Aber immerhin kommt es zu einem kurzen Austausch, den sie früher im Jahr verweigert hatte. Und wir sind bei der höflichen Form der Bitte angekommen. Das ist für diesen Platz schon sehr viel.
Eine Form der Schaffung von Krieg und Feindschaft ist es, eine Person oder eine Gruppe als abstoßend und wertlos zu definieren, indem man sich weigert neben ihr zu sitzen. Es ist eigentlich egal, ob man wegen seiner schwarzen Hautfarbe, wegen fehlender SPD-Zugehörigkeit oder wegen anderer Merkmale ausgegrenzt wird. Immer sollte man darauf bestehen darüber zu informieren, wer die feindselige Disposition schafft.
Die GärtnerInnen haben ein Problem: Dadurch, dass ich die von ihnen aufgezwungene Rolle nicht ausfülle, ihre Feindseligkeit verweigere, können sie diese nur mit Mühe aufrecht erhalten. Es hat von April bis August gedauert, aber einige grüßen jetzt, es gibt kurze Kontakte, und sie ringen darum mich von meinem kleinen Platz am Tisch zu vertreiben, um wenigstens in der Mittagspause die Feindschaft aufrecht erhalten zu können. Ihr Leiden an der Situation ist offensichtlich, aber sie haben diese selbst geschaffen und müssen nun - durch meine Anwesenheit verursacht - die Verantwortung dafür übernehmen. Es ist so schön hier. Warum bestehen diese Leute auf ihrem Hass?
  
Ich spreche nacheinander mit drei Besuchern, die sich von mir das Projekt erklären lassen. Ich erzähle ihnen, wie es am Anfang war und was jetzt daraus geworden ist, ganz sachlich und ungeschminkt. Das tut mir gut. Später setzt sich eine Familie mit 2 kleinen Kindern zu mir an den Tisch. Er erzählt, dass sie als Paar am Anfang dabei waren, dann aber das erste Kind schon während der Documenta kam. Ich erzähle kurz, was in der Zwischenzeit passiert ist. Wir unterhalten uns dann über Sehgal, Hannah Arendt und Martin Heidegger, von denen der Künstler Tino Sehgal Texte für Performances übernommen hat.
Während wir reden setzt sich Marika mit ihren Kindern und deren Familien in der Nähe auf die Stühle. Sie schaut verstohlen herüber und grüßt kurz. Ob sie mich meint, kann ich nicht beurteilen. Noch vor einigen Wochen hatte sie mir böswillig aus der Ferne gedroht, weil ich ein Minzeblatt in den Mund genommen habe. Das aber wollten wir ja den Besuchern des Platzes ermöglichen, dass sie einmal kosten dürfen von den vielen Kräutern, die wir geplanzt haben. 

30.7.2016 Heute bei schönem Wetter auf dem Huttenplatz: Michael fühlt sich zerrissen zwischen dem Verbot mit mir zu sein und mit einigen der anderen. Er löst das so, dass er zunächst mit mir kommuniziert, sich dann aber zu den anderen setzt. Jutta spricht sonst nicht mit mir. Heute will sie, dass ich von der Bank am Tisch mit meinem Laptop verschwinde, weil "wir hier essen wollen". Ich erkläre freundlich, dass ich am großen Tisch nur sehr wenig Raum einnehme und hier doch Platz für alle ist. Sie schaut mich länger böse an. Auch Heide beschimpft mich, weil ich dort sitze und sie offensichtlich nicht bei mir sitzen wollen. Sie haben ihr Mittagessen dann auf den kleinen Stühlen in meiner Nähe. Am Tisch will keiner von ihnen mit mir sitzen. Ich muss etwas lächeln, denn ich bin ganz friedlich und "sie" versuchen krampfhaft ihren bösen Willen aufrecht zu erhalten. Nachdem sie gegessen haben, reicht Heidi mir ein von ihr gemachtes Brot mit überbackener Zuccini. Will sie ihre Unfreundlichkeit wieder gut machen? Ich bedanke mich freundlich. Ich bin glücklich, weil ich es wieder einmal geschafft habe diesen von "ihnen" aufgebauten destruktiven Raum zu zerstören. Echter Friede kommt nämlich von innen, und es ist auch in mir eine Schwelle dorthin, die ich aktiv überwinde, um in diesen Frieden einzutreten. Unsere Diskussionsgrundlage war ein Text von Erich Fromm:
Ich glaube, dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht in erster Linie eine Sache der Intelligenz, sondern des Charakters ist. Dabei ist das Wichtigste, dass man den Mut hat, nein zu sagen und den Befehlen der Machthaber und der Öffentlichen Meinung den Gehorsam zu verweigern. Dass man nicht länger schläft, sondern menschlich wird, dass man aufwacht und das Gefühl der Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit verliert.

23.7.2016 - Es regnet schon den ganzen Vormittag in Strömen. Deshalb werde ich es wohl heute erst in einer Regenpause, vielleicht so gegen 13 Uhr, zum Huttenplatz schaffen. Aber hier schon einmal etwas, was sicher auch eure Widerstände hervorbrechen lässt: 
Ich konfrontiere euch friedlich sitzend mit meiner Hoffnungslosigkeit, und die möchtest ihr nicht sehen, nicht wahrnehmen. Ich hatte nie eine Chance in dieser Stadt, nie eine Möglichkeit als Bürger dazu zu gehören. Zum Missbrauch meiner Kräfte habt ihr alle ja gesagt, mich die Arbeit machen lassen, um mich dann geplant und systematisch zu entfernen, um die Früchte meiner Arbeit alleine genießen zu können, auf dem Boden von Hass und Gewalt. Dass ich dies schon zu Beginn des Projekts befürchtet habe, ist auf einem Interview festgehalten, den unsere Filmerin Ines im Vorfeld mit allen Beteiligten einzeln gedreht hatte.
Ihr, die Gärtner*innen, die Vertreter des Fachbereichs Biologische Landwirtschaft in Witzenhausen, ihr Politiker seid die Schöpfer einer immer brutaler werdenden Welt, in der keiner mehr dem anderen vertrauen kann. Ihr merzt die Grundwerte unserer Gesellschaft so flächendeckend aus, dass nichts mehr von ihnen übrig bleibt. Ihr seid es, die zuschauen und nichts sagen und tun, sondern sich nur auf meine und unsere Kosten bereichern. Und das könnt ihr nur tun, indem ihr mir irgendwelche lügenhaften Behauptungen andichtet, deren Inhalt ich dann aber nicht erfahren darf. Denn dann könnte ich mich ja dagegen wehren. Ihr schreibt so die Geschichte dieser Stadt fort, die Geschichte unserer Gesellschaft, die Geschichte unserer Beziehungen. Und ihr wollt das so. Ihr wollt das Grundgesetz und die Würde des Menschen mit Füßen treten. Es ist die ganz persönliche Entscheidung jedes Einzelnen von euch und ich werde euch aus dieser Verantwortung nicht entlassen.

9. und 16.7.2016 - Ich bin auf einem Seminar zu Kunst und Menschenrechten, und kann deshalb leider nicht zum Sommerfest auf dem Huttenplatz kommen. In unserer Tageszeitung vom 6.7. stand ein Zitat von Marlis Wilde-Stockmeyer: "Zum erweiterten Kulturbegriff gehört ganz wesentlich die Einbeziehung und Teilhabe aller interessierten Menschen .." Solches steht auch im Schaukasten des Huttenplatzes, obwohl es dort Hass und Ausgrenzung gibt. Ob sie wirklich alle in dieser Stadt Interessierten meinen, auch die zahlreichen ausgegrenzten Bildenden Künstler*innen, die noch nicht einmal bei den Atelierrundgängen mit ausstellen dürfen?
Hasserfüllte Menschen hat es immer gegeben auf dieser Erde. Und immer wurde darüber diskutiert, ob diese nun krank oder einfach nur böswillig sind. Aber kommt es wirklich auf diese Unterscheidung an? Klassische Narzissten erlauben nur Kontakte, bei denen das Gegenüber die Rolle des Unwerten übernimmt. Das halten sie oft flächendeckend und über Jahrzehnte durch. Einzelne können, wenn sie im Hintergrund die Fäden ziehen und eine gewisse Macht haben, ganze Stadtgesellschaften zerstören, besonders wenn andere dazu schweigen. Der achtsame, würdige Umgang mit Menschen, wie er im Grundgesetz verankert ist, setzt voraus, das die beteiligten Menschen diese gemeinsame Grundlage anerkennen, sie nicht als Lippenbekenntnis missbrauchen. Auf dem Huttenplatz wurde in scheinheiligster Weise Gemeinschaft postuliert, gleichzeitig aber mit extremer Böswilligkeit Ausgrenzung betrieben. Viele Beteilgte sind still weggeblieben, nur die Böswilligsten sind geblieben, die von der Stadt von vornherein ausgesucht waren. Da im letzten Herbst dann nur noch sehr wenige Gärtner*innen übrig waren, hat die SPD neuen Mitarbeiter*innen größere persönliche Vorteile versprochen, wenn sie wenigstens alle 2 Wochen mitmachen. Ich bin sicher: Die großen (völlig unberechtigten) Auszeichnungen dieser SPD-Leute sind schon vorbereitet. Was den Beteiligten nicht klar ist: Dieser Missbrauch der Würde von Menschen spricht sich herum und zerstört letztlich jedes Mitverantwortungsgefühl in der Gesellschaft. Menschen, die mit Vernunft und Gewissen begabt sind, werden niemals zuschauen, wenn andere schlecht behandelt werden. Solche Menschen erkennen wir daran, dass sie sich aktiv für Lösungen und das Bestmögliche gemeinsame Gute einsetzen. Auf dem Huttenplatz hat es leider nicht einen einzigen solchen Menschen gegeben.

2.7.2016 - Heute regnet es in Strömen und ich gebe Seminar. Gedanken zu einem guten Leben: Es muss ein politisches und ethisches Ziel sein die im Einzelnen angelegte Motivation zum Sozialen zu stärken. Nach Joachim Bauer ist dem Menschen aus neurowissenschaftlicher Sicht ein Impuls zu Empathie und gegenseitiger Unterstützung angeboren, und nur das kranke, verbogene Individuum schürt Hass und Gewalt. Verstehen die Machthaberinnen auf dem Huttenplatz die Menschenwürde als etwas, was sie relativieren dürfen, als etwas, was nicht für alle Menschen gleichermaßen gilt? Es gibt für die Beteiligten sicher einen Konflikt zwischen ihrer Verantwortungsethik und ihrer Gesinnungsethik. In einer pervertierten Gesellschaft wird dann Gemeinschaft als Gesinnung verkündet, aber gleichzeitig schweigend verleugnet und mit Füßen getreten. Eine Verantwortung für das gemeinsam begonnene Gute wird dann nicht mehr wahrgenommen. So entstehen Böswilligkeit, Hass und Gewalt, zuerst in den Tätern, und wenn man nicht aufpasst auch in den Opfern der Gewalt. Nur der gesunde Mensch wird sein Schweigen zu Ausgrenzung und Gewalt brechen, und wird für Frieden und Gemeinwohl eintreten können.

25.6.2016 - Weil Regen angesagt war, bin ich heute schon um 9:50 auf dem Huttenplatz gewesen. Es war noch niemand da. Deshalb setzte ich mich an den großen Holztisch, um zu schreiben. Um 11 Uhr kam Michael zu mir. Wir hatten ein freundliches langes Gespräch, in dem ich ihm von den Anfängen hier auf dem Platz berichtete, und wie die Künstlergruppe auf Kommunikation und hierarchiefreies Miteinander so einen großen Wert gelegt hatte. Er ist erst seit Kurzem dabei. Wir verabschiedeten uns, nachdem es schon eine Weile angefangen hatte zu regnen, und wir uns auch mit Regenschirmen nicht mehr trocken halten konnten. Gärtner*innen kamen heute wohl deshalb nicht.
Im neuen Kunstforum, Band 240 schreibt Max Glauer über Partizipation als künstlerische Strategie. Wann in Religion und Kunst Partizipation als Teilhabe für "die da draußen" verweigert wird, und wie sich Partizipation in Interaktion, Kooperation und Kollaboration differenzieren lässt. Auf dem Huttenplatz pflege ich durch meine Präsenz die Interaktion, die für alle Beteiligten nonverbal unvermeidlich stattfindet. Kooperation und Kollaboration (Zusammenarbeit) wird von den kleinen Machthaberinnen und deren Schweigen zum Schlimmen verweigert. Dafür hatten wir aber zwei Preise bekommen.

18.6.2016 - Ab 10:30 auf dem Huttenplatz. Zwei Gärtner*innen sind schon da. Ich grüße freundlich. Heute hatte ich in unserer Tageszeitung gelesen, dass im SPD-Unterbezirk Kassel-Stadt eine Mitgliederversammlung zum Thema "Grundwerte der Sozialdemokratie” stattfinden. Der hessische Landtagsabgeordnete Uwe Frankenberger nimmt für die SPD hierzu Stellung. Er gibt zu, dass die Parteien autoritäre Strukturen, politische Ausgrenzung und Ressentiments gegen andere Menschen einsetzen. Grundwerte, so seine Stellungnahme, seien nicht mehr gewährleistet, auch in Kassel nicht. Da kann ich ihm als Betroffene nur zustimmen. Seit 1989 lebe ich als Kunstschaffende, Kunstpädagogin und Leiterin einer Weiterbildungseinrichtung in Kassel. Ich darf aber weder an Gruppenausstellungen, noch am Atelierrundgang teilnehmen noch werden die Einführungsveranstaltungen meiner Weiterbildungseinrichtung in der Zeitung angekündigt, so wie das bei allen anderen Instituten üblich ist. Auch meine Ausstellungen werden mit sehr seltenen Ausnahmen nicht veröffentlicht.
Im Laufe der Jahre musste ich lernen, dass ich trotz vieler freundlicher Versprechen keine Chance auf Teilhabe als Bildende Künstlerin in Kassel hatte. Ich musste lernen, dass jedes Projekt, an dem ich mich ehrenamtlich engagierte, von SPD-Angehörigen okkupiert wurde sobald es an Bedeutung gewann. Und dass ich jedes Mal ausgegrenzt wurde. Wenn ich dann dagegen protestierte, wurde ich kalt gestellt. Dies passierte mir mit der Aktion Stolpersteine und schließlich auch mit dem Projekt Huttenplatz, welches ich von Anfang an mitbegründete. Heute nutzen SPD-Angehörige den Stadtgarten, in den ich viel Arbeit investierte. Ich soll dort weder sähen noch ernten dürfen. Für meinen Ausschluss wurden mir trotz mehrfacher Nachfragen keine Gründe genannt. 
Tatsache ist, dass die SPD zusammen mit der Stadt Kassel und der HNA eine konsequente Ausgrenzung von Bürgern betreibt. Und jetzt wollen diese Leute über Werte reden? Aus meiner Sicht gibt es hier überhaupt keinen ehrlichen Ansatz den Filz in dieser Stadt zu begrenzen. Eine Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger, eine Stadt der Chancen für alle Bürger wird es nicht geben. Kassel wird wohl eine Stadt des Machtmissbrauchs bleiben. Und genau deshalb gehen die Bürger nicht mehr wählen, oder wählen die “Alternative”. Genau so entsteht ein diktatorisches System, welches sich heute aber wieder einmal als “sozial” und “demokratisch” verkauft. 
Ich jedenfalls werde es deutlich merken, wenn ich nicht mehr ausgegrenzt werde. Ich werde es merken, wenn ich jeden Samstag auf dem Huttenplatz für diese Werte sitze, die Herr Frankenberger so scheinheilig aufzählt: Ich sitze hier für Freiheit, Fairness, Gerechtigkeit und solidarisches Handeln.

Um 12:15 kommt Karsten vorbei. Wir sprechen über Projekte zur Documenta. Er leiht sich eine Sichel von der Gärtner*innen und befreit die Obstbüsche auf halber Höhe zu den Tempelchen vom hoch gewachsenen Gras. Ich gehe um 13:40 über den stillen Platz, weil es zu regnen beginnt. Alles wächst jetzt so schön.

4.6. 2016 - Als ich um 11 Uhr auf dem Huttenplatz ankomme sind schon mehrere Gärtner*innen bei der Arbeit. Ich gehe über den Platz und grüße nach allen Seiten. Erstaunlichweise werde ich mehrfach zurückgegrüßt. Offensichtlich hat man sich ausgetauscht, oder es liegt daran, dass Lucie, die allen das Sprechen mit mir verboten hat, heute nicht da ist. Ich setze mich im unteren Teil des Platzes auf die festen Holzbank und hole mir den kleinen blauen Tisch heran, der in der Nähe steht. Die großen Bänke und der große Holztisch stehen heute oben unter dem Baum. Heute bekomme ich von mehreren netten Leuten Besuch. Zuerst kommt Käthe und erzählt, dass eine gemeinsame Freundin schwer erkrankt ist. Plötzlich wird das Leben so wertvoll.
Ich fühle mich sofort viel wohler, wenn ich auf diesem Platz nicht alleine sitze, denn nach wie vor machen alle um mich einen großen Bogen. Die Feindseligkeit dieser Leute hat sich kaum verändert. Dann kommt Nina und wir sprechen über ein geplantes Kunstprojekt mit behinderten Kindern zur Documenta. Später kommt Simone und wir sitzen eine Weile zusammen bis ihr Bekannter von einer Beerdigung kommt. Schick angezogen fährt er mit seinem großen Wagen vor. Wir sprechen eine Weile über Psychologie und was ich beruflich mache. Es scheint uns allen gleichermaßen zu gefallen uns hier zu unterhalten. Der Mann geht zu einer der Gemüsesäulen und pflückt zwei dicke rote Erdbeeren für uns. Er ist ein Gentleman, übertritt aber auch das Verbot hier etwas zu ernten. Dann gehen beide zusammen Kaffee trinken.
Ich bin wieder allein und esse mein Mittagessen, Paprika, Radieschen und Oliven. Die fröhliche Stimmung ist vorbei. Lesend arbeite ich mich durch einen philosophischen Text von Ernst Bloch hindurch. Das dauert bis 15:35 Uhr. Es sind gegen die sonstigen Gewohnheiten immer noch einige Gärtner*innen auf dem Platz. Allerdings verschließen sie nicht mehr krampfhaft den Container mit den Gartengeräten, lassen sogar Gerät in meiner Nähe stehen. Absicht? Scheinbar gibt es eine neue Strategie der Gruppe mir gegenüber. Ist der neue hellhaarige Mann, der gegen 12 Uhr über den Platz geht, da involviert? Irgendwie verändert sich etwas. 

21.5.2016 - Schon beim Hinkommen treffe ich auf eine der Gärtner*innen, die mir zufällig den Rücken zukehrt. Ich sage: "Guten Morgen." Sie ohne sich umzudrehen: "Ah, hallo." Dann wendet sie den Kopf und sieht mich. Ihre Gesichtszüge werden hart, sie wendet sich ab. Als ich an ihr vorbei ein Foto vom Huttenplatz mache, wird sie zornig, schreit herüber. Ich sage freundlich, dass ich sie gar nicht fotografiert habe, nur den Huttenplatz. Sie geht weg. Ab 11:15 kommen weitere Gärtner*innen, auch 2 Gäste. Die Gäste grüßen freundlich. Die Gärtner machen einen großen Bogen um meinen kleinen Platz. Es ist schon eigenartig. Wir kommunizieren nonverbal, nehmen einander wahr, nur eben schweigend. Das Da-Sein auf dem Platz zur gleichen Zeit ist als Tatsache nicht auszulöschen, ist im öffentlichen Raum nicht einfach zu ignorieren. Dieses Tun, das Hingehen, bewusst hinzugehen zu diesem Platz, das ist eine Konfrontation mit der Existenzberechtigung jedes Einzelnen, und das kann auf diesem Platz nur für alle gelten, außer für die Weggesperrten, die das Gemeinwesen so sehr verletzt haben, dass sie eine Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen. Die heimlichen Blicke der "Feinde" gehen oft zu mir, so als sei ich wichtig in meinem So-Sein hier. Es ist gut das zu spüren: Das eigene Dasein kann man jemanden so einfach nicht absprechen im öffentlichen Raum. In diesem einfachen Dasein jedes einzelnen, da ist die Grundlage verborgen für den Frieden zwischen den Menschen. Wenn ich in diesem Frieden des Daseins bleibe, dann bin ich weder wütend noch traurig oder verzweifelt, wenn sie mir so offensichtlich feindselig gesinnt sind. Die Vögel singen, die Amsel gurrt und mischt sich mit den Grabgeräuschen von Lucie. Manchmal wehen Stimmen der Absprache zwischen Menschen heran. Es sind heute sieben Gärtner*innen da.
Um 13:45 setzt sich eine ältere Frau zu mir auf die Bank und trinkt mit mir einen Tee. Wir reden über unsere Erfahrungen mit dem Ausgeschlossenwerden. Eine der Gärtner*innen, die früher immer gerne mit mir gesprochen hat und jetzt einen weiten Bogen um mich macht, grüßt uns durch den Weidenhain hindurch von weitem. Die Weidenhecke, die ich mit dem Weidenbauer 2013 gesetzt hatte, wächst wunderbar grün. Ich verlasse um 14:05 den Platz.


14.5.2016 - Ich sitze ab 10:50 auf der Holzbank, bin freundlich da, lese Zeitung und schreibe. Die Gärtner*innen machen einen großen Bogen um meinen Platz in der unteren Ecke des Platzes, machen sich sogar die Mühe hinter mir auf der Straße zu gehen, um mir nicht begegnen zu müssen.

7.5.2016 – Friedliches Sitzen auf dem Huttenplatz ab 11:38 Uhr. Ich grüße beim Kommen von der oberen Friedrich-Ebert-Str. her zweimal die beiden Kleingruppen auf dem Platz. Bekomme im oberen Teil eine Antwort aus der Dreiergruppe und unten nur ein Nicken von Franz. Lucie hat den Mitgliedern ja verboten mit mir zu sprechen.
Ich stelle mir einen der Stühle, die ich selbst mal für den Huttenplatz geschenkt bekommen habe, an den großen Holztisch. Vogelgezwitscher und die warme Sonne während ich schreibe. 
Es ist jedes Mal ein kleiner Schritt über eine imaginäre Schwelle. Die Schwelle der Feindseligkeit, die mir die Gärtner*innen vom Huttenplatz entgegen bringen. Sie hatten ohne Angabe von Gründen und ohne Klärungsbereitschaft meinen Ausschluss betrieben ohne mir Gründe vorzulegen. Aber mein Bewusstsein für das große Übergeordnete, dieses bewusste Sitzen für den Frieden, gerade da, wo er nicht gewollt ist, wo private und politische Machenschaften der lokalen SPD deren eigenen Postulate ad absurdum treiben, gerade da heißt es Präsenz zu zeigen. Es hängt in der Geschichte von Gruppen vieles vom Einzelnen ab. Dieser Einzelne zu sein erfordert Mut, ist aber punktuell vielleicht wichtiger als manche Mitmenschen denken.
Um 11:42 Uhr erklärt mir Lucie , dass ich den Stuhl auf dem ich sitze, nicht benutzen dürfe. Ich sage ihr klar und bestimmt, dass diese Stühle für alle dort sind. 
Eine, die mich beim Ankommen heute zurückgrüßte, kam um 12:45 an meinen Tisch und fragt: "Weißt du eigentlich, warum wir dich ausschließen?" Ich sage: "Nein, das hat mir niemand gesagt." Sie sagt: "Weil Du herumgemeckert hast." Ich sage: "Das stimmt aber gar nicht. Woher hast Du das?" Ich sage ihr ruhig, dass ich mich nur gegen meinen Ausschluss gewehrt habe, der durch einen anonymen, mit Schreibmaschine geschriebenen Brief ohne Unterschrift erfolgt sei. Und später: "Friedlich könnten wir alles lösen." Sie aber geht wütend davon.
Um 13 Uhr halten sie Mittagspause im oberen Teil des Gartens. Sieben Gärtner*innen. Sie diskutieren laut. Um 14 Uhr gehen alle einzeln nach Hause. Ich gehe noch einmal friedlich über die Gartenanlage, freue mich am frischen Grün, diesmal ohne die feindseligen Blicke würdig ertragen zu müssen.


30.4.2016 - Ich sitze ab 11 Uhr auf der Holzbank auf dem Huttenplatz. Tee und Nüsse, auch eine Apfelsine dabei. Heute soll hier ein Gartenfest sein, was ich vorher nicht wusste. Ab 12 Uhr kommen die ersten Leute, bauen Tische auf und stellen Teller und Kaffee bereit. Einige grüßen mich, andere gehen an mir vorbei als würden sie mich nicht kennen, auch Sirius. Später kommt Simone und setzt sich neben mich. Wir haben ein gutes Gespräch. Sie will mich nicht ausgrenzen, geht später auch zu den anderen, und bringt mir – welche Überraschung – ein Stück Käsekuchen. Sie wird dann von Lucie darauf hingewiesen, dass sie das nicht darf, dies obwohl es ihr eigener Kuchenbeitrag für das Fest war. An das Verbot mit mir zu reden will sie sich nicht halten und wir sprechen ausführlich darüber, was diese Feindschaft der Gruppe bedeutet, die wohl vor allem Lucie angezettelt hat. Denn alle alten und neuen Mitglieder der Gartengruppe sind wohl angewiesen worden nicht mit mir zu kommunizieren. Kaum jemand traut sich mir auch nur zuzunicken, auch meine alte Kollegin von der Jean-Paul-Schule spricht nicht mit mir, sondern starrt in eine andere Richtung.
Simone erzählt, dass sie einen starken inneren Druck gefühlt hat und es nicht aushält nicht mit mir zu sprechen. Wenn sie dann neben mir sitzt, geht es ihr besser, weil der Gruppendruck abnimmt. Später kommt noch ein junger Mann aus der Anti-TTIP-Szene.  Er interessiert sich für das Gartenprojekt.
Als Ines, unsere Filmerin aus der Documentazeit, mit ihrem Freund vorbei kommt, reden einige mit ihr im oberen Garten. Ich werfe etwas Geld in die Gemeinschaftskasse und nehme für mich und den Soziologiestudenten etwas Kuchen. Wir unterhalten uns angeregt. Es ist mittlerweile zwanzig vor Fünf und ich beginne zu frieren. Der junge Mann und ich wandern zu Ines, die noch im oberen Gartenbereich des Huttenplatzes steht. Ich erzähle ihr in Kurzform, dass ich jetzt hier jeden Samstag mein Performanceprojekt Friedlich Sitzen in einem feindeligen Umfeld mache. Ich freue mich sehr, dass sie mich freundlich grüßt und mit mir redet, ebenso wie ihr Freund. Wir verabschieden uns dann und sie versichert mir, dass ich einen kostenfreien Zugang zu ihrem Film im Netz bekommen werde, sobald ihre Tournee durch die Kinos im September zu Ende ist.
Ich bin am Abend in einer merkwürdigen Stimmung. Da gibt es diese leise Trauer, weil viele dieser Menschen so schlecht sind und sich an Lucies Anweisungen halten. Der Vergleich mit der Nazizeit ist insofern nicht abwegig als hier zu sehen ist, wie systematische Ausgrenzung durch einer einzelnen Person fast alle anderen zum schlimmen Verhalten schweigen und selbst zu Tätern werden. So beginnen Kriege. Zuerst entscheidet jemand, einen anderen ohne trifftigen Grund auszuschließen, zieht seine Fäden der Macht, scheut auch vor extremen Böswilligkeiten nicht zurück, dann folgen die anderen nach. Nur, dass ich die Rolle der Jüdin nicht mehr übernehme, sondern anwesend bleibe. Und da Lucie keine absolute Herscherin werden kann, der Huttenplatz öffentliches Gelände ist und das Rechtssystem mich doch soweit schützt, dass hier keiner die Polizei beauftragen kann mich abzuführen, bin ich doch auf der sicheren Seite.
Das andere Gefühl ist das der Erhabenheit und Stärke. Mein friedlicher Widerstand ist auch eine große Stärke, die ich hier spüren kann. Denn ich bin weder Märtyrer noch Opfer im Angesicht dieser Feindseligkeiten. Ich bleibe einfach ein friedlicher, freundlicher Mensch, der im Angesicht des Unrechts gradlinig bleibt und auf seine Menschenwürde nicht verzichtet. Und das Frühjahr mit all seinem frischen Grün und der zunehmenden Sonne ist einfach wunderbar!


16.4.2016 - Heute bei etwas kühlerem Wetter um 11:15 auf dem Huttenplatz: Ich setzte mich an den Holztisch im unteren Teil des öffentlichen Gartens. Da ich ein Arbeitsverbot habe und alles, was ich sähen würde, wieder herausgerissen würde, sitze ich wieder einfach friedlich da, lese Zeitung. Als Simone sich zu mir an den Tisch kommt, entsteht ein freundliches und offenes Gespräch. Wir lachen und trinken von ihrem Tee zusammen. Heidi und ihre Schwester, Marika, Edith, Gabriele und Lucie arbeiten. Sie schauen immer wieder mal heimlich herüber. Schweigen. Wenn sie Werkzeug aus dem nahen Container nehmen, schließen sie jedesmal umständlich den Container wieder ab. Sie hatten im letzten Jahr insgesamt drei Mal das Vorhängeschloss ausgetauscht, damit ich keinen Zugang zu den Werkzeugen haben kann. Also hatte ich Gießkanne, Harke und Spaten immer selbst mitgebracht.
Als um 12:30 ein Platzregen ausbricht und sich nicht beruhigen will, stellen sich die meisten Gärtnerinnen im Container unter. Ich gehe friedlich an ihnen vorbei nach Hause. Dieser innere Frieden! Lachend halte ich das Gesicht in den strömenden Regen. Warum kann ich das plötzlich? Ich bleibe ganz auf der Beziehungsebene, freundlich mit mir selbst und allem Leben. Und irgendwie können diese kleinen Freindinnen ihren Hass nicht aufrecht erhalten. Er beginnt zu bröckeln.
Jeden Samstag, wenn ich mich zum Huttenplatz auf den Weg mache, habe ich zunächst etwas Herzklopfen, denn es ist dieser bewusste Schritt über die von ihnen mit ihrem Hass gezogene Grenze, den ich jedes Mal in mir selbst überwinden muss, bevor der innere Frieden sich ausbreiten kann. Jenseits zu sein von Zustimmung und Ablehnung, von Tun und Nichttun, das ist der Weg in die innere Freiheit. Eine Freiheit unabhängig von Hass und Gewalt.


9.4.2016 - Heute um 11:10 auf dem Platz: Die Sonne scheint beglückend warm. Die beiden blauen Stühle mit dem blauen Tisch standen jetzt unten in der Nähe der Sitzbänke unter dem Weidenhain, den ich vor 2 Jahren mit einem Weidenbauer für unsere Komposttonnen angelegt hatte. 
Wieder setzte ich mich mit meinem Tee und einem Buch auf einen der blauen Stühle, diesmal im Weidenhain. Geschützt und sonnig genieße ich den Frieden, der vom geschäftigen Treiben einiger Stadtgärtner*innen begleitet wird. Meine "Feind*innen" sprechen nicht mit mir, aber eine der Neuen gibt mir die Hand zur Begrüßung und auch einige andere grüßen mich zurückhaltend. Die Diskrepanz zwischen den schönen Begegnungen mit Sirius und dem herrlichen Umfeld einerseits und dem muffigen Ausgegrenztwerden durch die alte Seilschaft andererseits kann ich bewusst wahrnehmen. Der innere Zustand der bewussten Wahrnehmung einer Diskrepanz, die ich aushielt ohne darauf zu reagieren, erzeugte in mir einen tiefen Frieden, einen inneren Zustand der Freude, der auch nicht verschwand als ich sah, dass die Böswilligen sich die Mühe machten die Mittagspause im oberen Teil des Gartens ohne Sitzbänke aufzuschlagen, wohl um nicht in meiner Nähe sein zu müssen, denn der große Tisch und die Bänke dazu standen heute in meiner Nähe. Von weitem kann ich die farbigen Shirts der dort Sitzenden durch das Flechtwerk des Weidenhains sehen. Geborgen esse ich meinen Möhren-Löwenzahn-Giersch-Salat mit Walnüssen, den ich gerne geteilt hätte. Ich verlasse zufrieden um 14:38 den Platz.
Nachgedanken: Warum geben diese Menschen mir so viel Macht, dass sie für ihre Feindseligkeit sogar die schönen Holzbänke und Tische leer stehen zu lassen. Warum ist ihnen die Feindseligkeit so wichtig? Warum zeigen sie all den neuen Mitgärtnern wie armselig sie sind? Und wie entstand ihr Hass?


2.4.2016 - Ich nehme um ca. 11:15 auf einem der blauen Stühle im oberen Teil des öffentlich zugänglichen Stadtgartens Platz. Einige der Mitbegründer der Stadtgarteninitiative waren schon bei der Arbeit. Ihre Verleumdungen und ihr Hass gegen mich hatten im letzten Jahr groteske Formen angenommen, obwohl ich seit März 2012, dem Beginn des Documentaprojekts sehr viel Zeit und Arbeit in das Projekt investiert hatte und immer positiv mitgearbeitet habe. Ich hatte in 2014 lediglich kritisiert, dass die Ausgaben unserer gemeinsam gewonnenen Preisgelder von 2 x 2000 Euro offengelegt werden sollten, weil sie auf einem Privatkonto einer SPD-Angehörigen gelandet waren. Ich hatte mir dadurch den Zorn und Hass der drei kleinen Machthaberinnen zugezogen, die gute Beziehungen zu Politikern der Stadt Kassel haben. Ich bekam anonyme, am Computer geschriebene Hassbriefe ohne Unterschrift. Auf dem Platz wurde ich mit Schweigen, Ausgrenzung, verbalen Herabsetzungen und Arbeitsverboten belegt ohne dass mir Gründe mitgeteilt wurden.
Heute begrüßten mich einige neu Hinzugekommene, zwei setzen sich zu mir und tauschen die Freude über den Frühling mit mir aus. Mittags nehmen die Gärtner*innen im oberen Teil des Gartens ihre Mahlzeit ein. Die Feindseligkeit von der drei Machthaber*innen gegen mich ist stark spürbar. Die Aufgabe mich still, freundlich und achtsam in die Situation zu stellen, ohne zu provozieren oder in anderer Weise aufzufallen, fiel mir leichter als ich gedacht hatte. Ich gehe um 14:45.